KLETTERSTEIG CREPA NEIGRA
Ein neues Abenteuer im Herzen von Ciampac
Der Sommer 2026 bringt aufregende Neuigkeiten für alle Klettersteigbegeisterten: Der Klettersteig Crepa Neigra wurde fertiggestellt und ermöglicht es, den ikonischen Monolithen von Ciampac zu besteigen.
Diese Route ist als EEA-PD (mittelschwer) eingestuft und bietet neben einigen kurzen, anspruchsvolleren Abschnitten ein atemberaubendes Panorama. Sie eignet sich ideal auch für Anfänger, die mit der richtigen Begleitung während des Aufstiegs einige der schönsten Aussichten auf die Dolomiten genießen können – vom Colac und der Marmolada bis hin zur majestätischen Sellagruppe und dem Langkofel. Aufgrund ihres Schwierigkeitsgrades ist sie auch für Kinder ab 8 Jahren geeignet.
Der empfohlene Einstieg zum Klettersteig erfolgt von Sella Brunech (2428m), indem man die Gondelbahn und dann den Sessellift nimmt. Von Sella Brunech aus folgt man dem Weg auf dem Bergkamm mit leichten Auf- und Abstiegen nach Pian de Sele und steigt dann die Hänge der Crepa Neigra hinauf. Der Einstieg zum Klettersteig ist auch von der Bergstation der Gondelbahn Alba-Ciampac (2160m) aus erreichbar. Von dort geht es in etwa 45 Minuten bergauf Richtung Pian de Sele (2346m).
Der Klettersteig selbst erstreckt sich über eine 700 Meter lange Strecke mit einem Höhenunterschied von 120 Metern. Die geschätzte Aufstiegszeit beträgt etwa anderthalb bis zwei Stunden. Nach einem anfänglichen senkrechten Abschnitt an der Südseite verläuft der zweite Abschnitt horizontal an der Ostseite des Berges entlang und endet mit einem abschließenden Aufstieg nach Norden. Fluchtwege befinden sich etwa auf halber Strecke. Mittlere bis hohe Ausgesetztheit auf dem gesamten Weg.
Sobald man den Gipfel (2535m) erreicht hat, von dem aus man einen 360-Grad-Panoramablick genießen kann, steigt man auf einem weiteren kurzen, gesicherten Weg etwa 20 Minuten hinab und folgt dann dem Pfad, der einen in 30 Minuten und 100 Höhenmetern nach Pian di Sele bringt, von wo aus man Sella Brunech oder den Ciampac-Wiesengrund erreichen kann.
Für Geologie-Enthusiasten
Der Gipfel, über den der Klettersteig verläuft, besteht aus einem besonderen Sedimentgestein, das sich von den für die Dolomiten typischen Kalk- und Dolomitgesteinen unterscheidet: einem Konglomerat. Das Konglomerat entsteht durch die Umwandlung eines antiken Schotters aus abgerundeten Kieselsteinen in festes Gestein. Dieser Prozess, Diagenese genannt, umfasst eine Reihe physikalischer und chemischer Veränderungen, die über sehr lange Zeiträume (oft Millionen von Jahren) ein lockeres Sediment so „zementieren“, dass es zu einem kompakten Gestein wird.
Aus geologischer Sicht sind diese Gesteine als Marmolada-Konglomerat bekannt und gehören zur Wengen-Formation aus der Trias (Ladinium, vor etwa 230 Millionen Jahren). Die Wengen-Formation, von der das Marmolada-Konglomerat die älteste und grobkörnigste Einheit darstellt, stammt aus der Erosion und dem Abbau früherer vulkanischer Apparate. In jener Zeit waren im Gebiet der Dolomiten zahlreiche Vulkane aktiv, darunter jene im Gebiet von Predazzo sowie zwischen der Marmolada und den Monzoni-Bergen. Spuren dieses letzten Vulkankomplexes sind heute noch am Nordosthang der Crepa Neigra auf halber Höhe sichtbar, wo eine charakteristische geneigte Felsschicht zu Tage tritt.
Mit dem Ende der vulkanischen Aktivität begann die Erosion das Vulkangebäude der Marmolada rasch abzutragen: Die gröbsten Trümmer wurden von Flüssen und Sturzbächen transportiert und sammelten sich in den umliegenden Gebieten an, wobei sie Strände und teilweise untergetauchte Delta-Fächer bildeten. Entlang des Klettersteigs lassen sich deutlich Kieselsteine vulkanischen Ursprungs beobachten, die eben aus dem Abbau dieser antiken Vulkane stammen; einige erreichen beachtliche Ausmaße von bis zu etwa einem Meter Durchmesser.
Gab es hier also das Meer? In gewisser Weise ja, wenn auch nicht „hier“, wie wir es heute sehen. In der Trias befand sich die Dolomitenregion in tropischen Breitengraden am Rande des antiken Tethys-Ozeans, in einer Umgebung, die durch Karbonatplattformen (ähnlich heutigen Atollen) und eine weit verbreitete vulkanische Aktivität geprägt war.
Text von Mirko Demozzi
Bibliografie:
- Bosellini, A. – Geologie der Dolomiten
- Abbà, T. – Die Geologie Venetiens kennenlernen, Vol. 1 & 2
- Geotrail des UNESCO-Welterbes Dolomiten, Dolomites UNESCO